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Zeugnisse der Verehrung des hl. Bonifatius im Eichsfeld und im Werratal - Fotoausstellung

Im Juni 1848 feierte man 14 Tage lang auf dem Hülfensberge das 1100jährige Jubiläum der Einführung des Christentums auf dem Eichsfeld durch den heiligen Bonifatius, zu dem Papst Pius IX. am 19. Januar 1847 die Jubiläumsablässe verliehen hatte.Aus den eichsfeldischen Dekanaten und aus anderen Gegenden Deutschlands kamen in diesen Tagen Tausende von Gläubigen in zahlreichen Prozessionen, begleitet von vielen Geistlichen, zu feierlichen Gottesdiensten, Levitenämtern und nachmittäglichen Vespern.Pfarrer Nikolaus Görich wertete 1924 rückblickend: "Unvergeßlich bleibt das 1100jährige Jubiläum der Einführung des Christentums; ... es war eine grandiose, überwältigende Weihe des gläubigen Volkes, ... das sich wunderbar gestärkt durch die unbesiegbare Kraft der christlichen Religion" fühlte.Die Erinnerung an die Christianisierung des Eichsfeldes und den "Apostel der Deutschen", den hl. Bonifatius (um 672-754), wachzuhalten, ist auch heute ein wichtiges Anliegen der Franziskaner auf dem Hülfensberg, denn jener Wynfreth, der im Jahre 719 von Papst Gregor II. den Namen Bonifatius sowie die Sendung und den Segen als Heiden-Apostel erhielt, führte sein Missionierungswerk in Thüringen und Hessen, darunter im Eichsfeld, mit epochalem Erfolg aus.

Am Anfang der Christianisierung steht der überzeugte und überzeugungsfähige Glaube des hl. Bonifatius, der Grundlage auch unserer heutigen Glaubenstradition ist. Darauf fußt auch die Jahrhunderte währende, lebendige Bonifatius-Tradition.

Das zeitgenössische Wissen über missionarisches Wirken des hl. Bonifatius auf dem Hülfensberg schrieb als einer der ersten der in Kefferhausen geborene Jesuit Johannes Müller (1604-1676) in seinem 1671 erschienenen Büchlein "MONS ADJUTORII SEU SALVATORIS CHRISTI..." nieder: "Also ist er auch über die Werra in das Eichßfeld gerathen / den auff einem hohen Berg berühmten Abgott Stufo / daher der Orth Stuffensberg genandt / zu vertilgen... Es hat aber der Heilige Mann an die Stelle eine Capell zur Ehre unseres Heilands oder Salvatoris auffgericht / auch auß seinen Gefehrten einen Priester verordnet / der nach seinem Abreisen den umbgelegenen Völckern des rechten Glaubens Geheimbnüße besser verkündigen und die Heilige Sacramenta mittheilen könnte. Dieses nun hat dieser bestellte Seelsorger so embsig und mit solchem Nutzen verrichtet / daß der Glaub weit ausgebreitet und der Ort allenthalben bekannt worden."

Dokumentiert ist, daß der Hülfensberg bereits im Jahr seiner bisher nachweisbaren urkundlichen Ersterwähnung 1351 zu den sieben bedeutendsten deutschen Wallfahrtsstätten gezählt wurde. In seinem 1891 erschienenen Werk "Die berühmtesten Wallfahrtsorte der Erde" betrachtete Heinz von Rudniki den Hülfensberg als einen der 12 wichtigsten deutschen Wallfahrtsorte. Vielfältig sind heute die Zeugnisse der Verehrung des hl. Bonifatius im Eichsfeld und im angrenzenden Werraland. Die katholischen Pfarrkirchen in Leinefelde, Wendehausen, Wüstheuterode und Bad Sooden-Allendorf haben ebenso ein Bonifatiuspatrozinium wie die evangelischen Kirchen in Treffurt und Großburschla. In diesen und vielen weiteren Kirchen erfährt der hl. Bonifatius u. a. in spät- und neogotischen sowie barocken Kunstwerken die Verehrung der Gläubigen der Region.

Der glühende Verehrer des hl. Bonifatius und des Hülfensberges, Geistlicher Rat Hermann-Josef Siebrand (1912-1993), registrierte nahezu 100 Bonifatiusdarstellungen in und bei den Kirchen des Eichsfeldes und des benachbarten Werralandes. Sie zeigen ihn mit den typischen Attributen eines Bischofs und dem vom Schwert/Dolch durchstochenen Evangelienbuch, bei der Verkündung der Frohen Botschaft und beim Taufen als Statue, in Gemälden, Kirchenfenstern, auf Bildstöcken u.a. 
Als älteste Darstellung darf die Bonifatiusstatue im rechten Flügel des Triptychons in der Rimbacher Kirche vom Ende des 15. Jahrhunderts angesehen werden.

Allein auf dem Hülfensberg gibt es vier Reliquiare und zwei Monstranzen, eine barocke und eine neogotische Plastik, ein historisches Eichenstück, den Rest eines Gewölbefreskos aus dem 16. Jh., eine Kasel, eine Glocke sowie das Altarrelief in der Bonifatiuskapelle und ein "Bonifatiusstein" genanntes Sühnekreuz bei der 12. Kreuzwegstation.

Die Aufzeichnungen Pfarrer Siebrands waren wichtige Grundlage für die Ermittlung weiterer Bonifatiusabbildungen im Zusammenwirken mit dem Kunstgutsachverständigen des Bistums Erfurt, Dr. Rolf-Günther Lucke, und eine Voraussetzung für die Fotoausstellung, die am Feste des hl. Bonifatius, am 5. Juni 1998, in der Wallfahrtskirche "Christus der Erlöser" auf dem Hülfensberg eröffnet werden konnte. Mit der Bonifatius-Ehrung wurde hier gleichzeitig das Jubiläum "1250 Jahre christlicher Glaube im Eichsfeld" gefeiert.
1998 war die Bonifatiusausstellung auch noch in Leinefelde zu sehen, dann im Jahr 1999 in Heiligenstadt, Eschwege,und Duderstadt und im Jahr 2000 in Mühlhausen.

Die Fotoausstellung wurde im Auftrag des Förderkreises erarbeitet von:

  • Josef Keppler, Lindewerra (Fotos, Texte und Gestaltung)
  • Albert Kohl, Eschwege (Organisation und Gestaltung)

Künstlerische Darstellungen des hl. Bonifatius im Eichsfeld und im angrenzenden Werratal

  • Aue, Wohnhaus, Fresko, Robert Köcher sen. und jun. und W. Bindemann 1967/1984
  • Bad Sooden-Allendorf, St.-Bonifatius-Kirche, Sgraffito am Kirchturm, 1958
  • Bickenriede, St.-Sebastians-Kirche, Langhausfenster, 1919/1922
  • Beberstedt, St.-Martins-Kirche, Holzskulptur, um 1970
  • Beuren, St.-Pankratius-Kirche, Langhausfenster, 1935/40
  • Birkungen, St.-Johannes-Kirche, Holzskulptur an der Chorwand, Ende 19. Jh.
  • Bodenrode, St.-Laurentius-Kirche, Holzskulptur am Hochaltar, Anfang 18. Jh.
  • Brehme, St.-Marien-Kirche, Statue am Hochaltar, 1758/60
  • Breitenbach, St.-Margareten-Kirche, Langhausfenster, 2. Hälfte 19. Jh.
  • Breitenholz, St.-Marien-Kirche, Langhausfenster, 1912
  • Burgwalde/Brink, St.-Bonifatius-Kapelle,
    - Holzskulptur, um 1900,
    - Altargemälde, Heinz Heinlein 1980

  • Büttstedt, St.-Margareten-Kirche
    - Holzskulptur am Hochaltar, 1907
    - Langhausfenster, 1904

  • Deuna, St.-Peter-und-Pauls-Kirche, Holzskulptur am Hochaltar, um 1690
  • Diedorf, St.-Albanus-Kirche
    - Chorfenster, 1894/1897
    - Kelch (Detail), 1771

  • Dingelstädt, St.-Gertruden-Kirche, Holzskulptur, Ende 19. Jh.
  • Döringsdorf, St.-Stephanus-Kirche, Holzskulptur an der Empore, Anfang 18. Jh.
  • Ecklingerode, St.-Valentins-Kirche, Holzskulptur am Barockaltar, Mitte 18. Jh.
  • Eichstruth, Allerheiligenkirche, Langhausfenster, 1930
  • Effelder, St.-Albanus-Kirche, Holzskulptur, 1. Hälfte 18. Jh.
  • Ershausen, St.-Philippus-und Jakobus-Kirche
    - Holzstatue an der Kanzel, Anfang 17. Jh.
    - Fresko im Triumphbogen, Anfang 20. Jh.

  • Eschwege
    - Eichsfelder Heimatverein Hülfensberg und Werratal, Fahne des Eichsfelder Vereins Bottrop 1922 / Werratal 1980
    - Großer Leuchtberg, Gedenkstein, "Bonifatiusstein", 1955/1976

  • Flinsberg, St.-Martins-Kirche, Holzskulptur am Hochaltar, 1756
  • Geisleden, St.-Cosmas-und-Damian-Kirche, Holzskulptur am Hochaltar, 1. Hälfte 20. Jh.
  • Gerbershausen, St.-Johannes-Kirche, Langhausfenster, 30er Jahre des 20. Jh.
  • Gernrode, St.-Stephanus-Kirche
    - Gemälde in der Gewölbetonne, um 1700
    - Langhausfenster, 1932

  • Großbartloff, St.-Peter-und-Pauls-Kirche, Gemälde an der Langhausdecke, 1745
  • Günterode, St.-Georgs-Kirche, Chorfenster, 1892
  • Hausen, St.-Katharinen-Kirche
    - Chorfenster, 2. Hälfte 20. Jh.
    - Monstranz, 1894

  • Heilbad Heiligenstadt
    - Eichsfelder Heimatmuseum, Chormantel, Ende 19. Jh.
    - Friedenskapelle (Alte Burg), Holzskulptur über dem Westportal, um 1900
    - St.-Ägidien-Kirche, Kelch (Detail), 1879
    - St.-Ägidien-Kirche, Reliquienschrein (Detail), 1907
    - St.-Marien-Kirche, Kelch (Detail), Mitte 20. Jh.
    - Staatliches Gymnasium, Steinskulptur an der Nordwestecke, 1929

  • Helmsdorf, St.-Peter-und-Pauls-Kirche, Langhausfenster, um 1935
  • Heuthen, St.-Nikolaus-Kirche, Fresko an der Langhausdecke, 1750
  • Heyerode, St.-Cyriakus-Kirche, Bonifatiusglocke, 1950
  • Hildebrandshausen, Heilig-Kreuz-Kirche, Fresko an der Chorwand, 1924
  • Hohengandern, St.-Bartholomäus-Kirche, Holzskulptur neben dem Hochaltar, 19. Jh.
  • Hundeshagen, St.-Dionysius-Kirche, Holzskulptur, 1890
  • Hülfensberg, Wallfahrtskirche "Christus der Erlöser"
    - Altarrelief in der Bonifatiuskapelle, 1902
    - Armreliquiar, vermutl. 1669
    - Holzskulptur, 1735
    - Reliquiar, Mitte 19. Jh.
    - Reliquiar, um 1900
    - Monstranz, 1900
    - Monstranz, 1902
    - Kasel, 1. Viertel 20. Jh.
    - Westfassade der Wallfahrtskirche, Steinskulptur, 1902
    - "Bonifatiuskreuz", got. Sühnekreuz bei der 12. Kreuzwegstation,

  • Kirchgandern, St.-Martins-Kirche, Langhausfenster, Mitte 20. Jh.
  • Kirchworbis, St.-Martins-Kirche, Gemälde an der Langhausdecke, 1937
  • Küllstedt, St.-Georgs-und-Julianen-Kirche
    - Holzskulptur am Hochaltar, 1756
    - Ölbild am Hochaltar, 1756

  • Leinefelde, St.-Bonifatius-Kirche, Holzskulptur, 1. Hälfte 17. Jh.
  • Lengenfeld unterm Stein, St.-Marien-Kirche
    - Altargemälde, Joseph Richwien 1990
    - Holzskulptur, 1. Hälfte 18. Jh.

  • Lutter, Kapelle, Altargemälde (Detail), Joseph Richwien 1978
  • Mackenrode, St.-Martins-Kirche, Holzskulptur am Hochaltar, 1. Hälfte 18. Jh.
  • Mengelrode, St.-Maria-Magdalenen-Kirche, Holzskulptur vom Barockaltar, 2. Hälfte 18. Jh.
  • Mingerode, St.-Andreas-Kirche
    - Chorfenster, um 1919
    -  Holzskulptur, 19. Jh

  • Neustadt, Bonifatiusstift, Glocke (Detail), 1958
  • Niederorschel, Kirchengemeinde "St. Marien"
    - Bildstock, 17. Jh.
    - Holzskulptur am Hochaltar, 1701
    - Langhausfenster, 1913
    - Schützenbruderschaft "St. Bonifatius 1862 e.V.", Vereinsfahne, 1994

  • Obernfeld, St.-Blasius-Kirche, zwei Langhausfenster, 1914
  • Renshausen, St.-Marien-Kirche, Holzskulptur am Hochaltar
  • Rimbach, St.-Marien-Kirche, Holzskulptur am Flügelaltar, um 1480
  • Schachtebich, Ortsteil Gänseteich, Bildstock, um 1960
  • Schönau, Straße nach Burgwalde, Bildstock "Kleiner Bonifatiusstein", 1746
  • Schwebda, Kellaer Straße, "Bonifatiusstein", Original 17. Jh.
  • Seulingen, St.-Johannes-Kirche, Holzskulptur, 18. Jh.
  • Siemerode, St.-Nikolaus-Kirche, Gemälde an der Langhausdecke, 1656
  • Silberhausen, St.-Cosmas-und-Damian-Kirche, Deckengemälde im Langhaus, Joseph Richwien 1956
  • Steinbach, Kirchengemeinde "St. Mauritius", Ölbild, H. Weisser 1936
  • Struth, St.-Jakobus-Kirche, Holzskulptur am Hochaltar, um 1700
  • Thalwenden, St.-Martins-Kirche, Holzskulptur am Hochaltar, Mitte 18. Jh.
  • Treffurt
    - St.-Bonifatius-Kirche, Holzskulptur an der Chorwand, 20. Jh.
    - St.-Marien-Kirche, Chorfenster, Anfang 20. Jh.

  • Wanfried, Evangelische Kirche, Chorfenster, 1888
  • Weißenborn-Lüdenrode, Gartenstraße, Bildstock, 1735
  • Wendehausen, St.-Bonifatius-Kirche
    - Hochaltar mit Holzskulptur, 1745
    - Holzskulptur an der Chorwand, 1. Hälfte 17. Jh.
    - Hauptstraße, Relief am "Bonifatiusbrunnen", 1920

  • Westerode, St.-Johannes-Kirche, Holzskulptur im Hochaltar, 1904
  • Wilbich, St.-Maria-Magdalenen-Kirche, Holzskulptur am Hochaltar, 1912
  • Wingerode, St.-Johannes-Kirche, Langhausfenster, 1930/40
  • Wüstheuterode, St.-Bonifatius-Kirche
    - Holzskulptur an der Empore, 1. Hälfte 17. Jh.
    - Holzskulptur, Ende 19. Jh.
    - Steinskulptur über dem Südportal, um 1800
    - Mackenröder Straße, Bildstock, 1742


Quelle dieser Seite ist ein Informationsblatt zur Ausstellung, das mit freundlicher Unterstützung von Mecke Druck und Verlag hergestellt wurde.