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Geschichte des Hülfensberges

Umrahmt von stattlichen Bäumen ragt weithin sichtbar auf dem 448 Meter hohen Hülfensberg im Südwesten des Eichsfeldes das Dr.- Konrad - Martin - Kreuz empor. Es wurde 1933 zu Ehren des Paderborner Bekennerbischofs errichtet, dessen Wiege in Geismar am Fuße des Hülfensberges stand und dem die Franziskanerniederlassung auf dem "Berg der heiligen Hülfe" im Jahre 1860 mit zu verdanken ist.

Seit dieser Zeit betreuen Franziskaner ganzjährig die Pilger und die Wallfahrten am ältesten und bedeutendsten Wallfahrtsort des Eichsfeldes.

Bis 1989 war der Wallfahrtsort über fast vier Jahrzehnte nur für wenige Eichsfelder erreichbar, als zwischen dem eichsfeldischen Hülfensberg und dem hessischen Werratal die innerdeutsche Grenze verlief.

Die Wallfahrtstraditionen reichen bis in das Mittelalter zurück, als der "Stuffenberg" bereits zu den berühmtesten deutschen Wallfahrtsorten gezählt wurde.

Die Ersterwähnung liefert eine Papsturkunde aus dem Jahre 1351. Sie nennt die Pfarrstelle "St. Salvator auf dem Stuffenberg", über die 1357 die Zisterzienserinnen des Klosters Anrode das Patronat vom Heiligenstädter St.-Martins-Stift erhielten. Sie verpflichteten sich zur Betreuung der Wallfahrten und der teilweise aus weiter Ferne herbeiwandernden Pilger. Zugleich erhielten sie das Recht, die Einkünfte aus den Wallfahrten für das kleine Kirchlein auf dem Berge und für ihr Kloster im Luhnetal zu verwenden.

Um für den immer stärker werdenden Zuspruch zu den Wallfahrten gerüstet zu sein, wurde 1367 eine gotische Kirche geweiht, von der wesentliche Teile (trotz Veränderungen und Erweiterungen) noch vorhanden sind.

Den Berg nannte man bald nicht mehr "Stuffenberg", sondern "Mons sancti Salvatoris" (Berg des heiligen Erlösers) oder "St. Gehülfensberg". Das teilte der unermüdlich tätige Heiligenstädter Jesuit Johannnes Müller im Jahre 1671 im ersten gedruckten Buch über den "durch Wallfahrten weitberühmten im Eichsfeld gelegenen Hülfensberg" mit. Nach den Jahren des Niederganges während der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges begannen sich die Wallfahrten wieder zu beleben. Es heißt in dem Buch "etlichemahl im Jahr den umbligenden Völckern Ursach (ge)geben in begebenden Nothfällen ihre Zuflucht dahin zu nehmen und Hülff oder Beystand zu suchen, ... dieweil gemeiniglich die Krancken, Breßthaffte und betrübte Leut Erleichterung und Hülff empfunden."

Ziel der Wallfahrer war und ist das Hülfenskreuz, jenes hochverehrte romanische Kreuz aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, das Christus als goldgekrönten, huldvoll blickenden König und Sieger über den Tod darstellt.

Es ist das wohl bekannteste und meistverehrte sakrale Kunstwerk des Bistums Erfurt und vielleicht nach dem Vorbild des "Volto Santo" im Dom zu Lucca entstanden. Die Inschrift: "SALVE CRUX PRETIOSA!" (Sei gegrüßt, kostbares Kreuz!) weist auf das Geschehen am Kreuz hin und leitet den Blick empor zum gütigen Erlöser, der an ein breites Kreuz mit Dreipaßenden angeheftet ist. Das Kreuz wird von neogotischen Reliefs mit vier Stationen des Leidensweges Christi in den Seitenflügeln umgeben.

Die Wallfahrtskirche wurde 1890 nach den Plänen des Franziskaner - Bruders Paschalis Gratze baulich verändert und erweitert. Der neogotische Hochaltar ist erst gut hundert Jahre alt; die Schlußsteine stammen aus der Zeit der Erbauung, die Gewölbefresken z. T. aus dem Jahre 1613. In der Kirche stehen außerdem einige barocke Statuen.

In der 1903 auf den Fundamenten einer ehemaligen Fürstenkapelle errichteten Bonifatiuskapelle erinnert ein von Prof. Albermann (Köln) geschaffenes Werk an die legendäre Fällung einer Donareiche auf dem Hülfensberg. Diese mit dem Berg verbundene Bonifatiustradition wird durch weitere Skulpturen und Reliquiare in der Wallfahrtskirche unterstrichen.

Die beeindruckende Lage, die feierliche Stille und die Chance zur innerlichen Einkehr, um Gott im Gebet näher zu sein, führen Gläubige an jedem Tag des Jahres zum Hülfensberg. Sie pilgern auf dem von Kreuzwegstationen gesäumten Prozessionsweg von Geismar hinauf oder von den Parkplätzen Bebendorfs und Döringsdorfs zur Gnadenstätte auf den Berggipfel.

Die traditionellen Wallfahrten sind alljährlich festliche Höhepunkte, die es vielen Christen des Eichsfeldes ermöglichen, gemeinsam mit vielen Priestern und zahlreichen Pilgern aus nah und fern reichen Gewinn für das Leben und Kraft für das Christsein im Alltag zu finden.

Josef Keppler